Statements

Statement der Frauenliste zum TOP 3 der öffentlichen Gemeinderatssitzung vom 3.2.2016 zum Thema Anschlussunterbringung von Flüchtlingen:


Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren, 


auch wir danken für die vorgelegte Planung und die ausführliche Darstellung des Sachverhaltes. Die Frauenliste wird den Anträgen der Verwaltung in allen Punkten zustimmen. 

Die Planung zeigt Weitsicht und Mut, und diesen Mut, in Verbindung mit einer guten Portion Ehrlichkeit werden wir auch in Zukunft sehr brauchen. Klar muss sein, für jeden Standort den wir nicht verwirklichen, muss ein anderer gefunden werden, und für jeden Standort an dem wir weniger Menschen unterbringen, müssen an anderer Stelle mehr untergebracht werden. 

Für uns geht es aber hier um viel mehr als um´s Häuser bauen. Es geht auch darum wie unsere Stadtgesellschaft mit Menschen umgeht, die in einer Notlage sind und Hilfe brauchen. Es geht auch um das Selbstverständnis unserer Stadt. 

Natürlich gilt es berechtigte Sorgen aus der Bürgerschaft aufzugreifen und ernst zu nehmen, und ich denke Gemeinderat und Verwaltung tun dies. Aber es müssen eben berechtigte Sorgen sein. Wenn ich aus einem Ortsteil höre, man könne ja in Zukunft seine Kinder nicht mehr auf die Straße lassen, kann ich nur antworten, im Paradiesle spielen Kinder gerne und reichlich auf der Straße und dies obwohl wir dort seit Jahrzehnten die größte Flüchtlingsunterkunft in unserer Stadt haben.


Es kommen weder Kriminelle noch Monster! Hier kommen Menschen, die dieselben Sehnsüchte wie wir haben – nach Frieden und Sicherheit, nach Familie und Gemeinschaft. Und ich persönliche denke auch, dass 88 Menschen sehr wohl in einen Ortsteil mit 1500 Einwohnern integriert werden können. Dazu braucht es nur eine Portion guten Willens. Was dieser gute Willen bewirken kann, beweisen täglich viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer in unserer Stadt, auf die ich sehr stolz bin, und die unserer Stadt ein menschliches Gesicht geben.


Auch ich kümmere mich in meiner Praxis fast täglich um Flüchtlingsfrauen aus Syrien, dem Irak, dem Iran und Afghanistan. Belohnt werde ich mit ihrem Vertrauen und ungeheurer Dankbarkeit. Etwas was in unserer fordernden Wohlstandsgesellschaft ein seltenes Gut geworden ist. Vielleicht liegt ja die Chance dieser Krise, die uns zweifellos alle fordert, gerade darin uns wieder auf das Wesentliche zu besinnen. Mir fiele da an erster Stelle unsere Mitmenschlichkeit ein. 

Schließen möchte ich mit einem Satz aus einem Leserbrief, den Bürgerinnen und Bürger aus Lindorf geschrieben haben, und der mir tief aus dem Herzen spricht:  „Lindorf erwartet Menschen, die Schlimmes erlebt haben und die für sich in Anspruch nehmen dürfen, nicht schon zu einem Zeitpunkt Ablehnung zu erfahren, zu dem sich noch kein Lindorfer mit ihnen unterhalten und sie kennen gelernt hat.“

 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!
Dr. Silvia Oberhauser
Fraktionsvorsitzende der Frauenliste








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