Vor beinahe 15 Jahren fand sich eine Gruppe Frauen zusammen, jenseits aller Partei- und Weltanschauungsgrenzen, die nicht mehr akzeptieren wollte, dass Frauen in der Politik so massiv unterrepräsentiert sind. Es war schnell klar, dass frauenpolitische Veranstaltungen und kreative Aktionen zur öffentlichen Meinungsbildung nur ein Aktionsfeld sein konnten. Es ging auch ganz konkret darum sich als eigene Liste, als Frauenliste, in die Kommunalpolitik einzumischen, denn bis dato waren gerade einmal 6 der 34 Gemeinderäte in Kirchheim unter Teck weiblich. Und die Frauenliste hat sich eingemischt. Von 2004 bis 2018 haben die Stadträtinnen Birgit Müller, Dr. Silvia Oberhauser, Eva Frohnmeyer-Carey und Sabine Lauterwasser engagiert und konstruktiv in allen Bereichen der Stadtpolitik mitgewirkt und eigene Akzente gesetzt.

Zur Kommunalwahl im Mai 2019 wird die Frauenliste nun allerdings nicht antreten, dieser Beschluss fiel endgültig zum Jahresende – schweren Herzens. Grund dafür ist, dass mit der Fraktionsvorsitzenden Dr. Silvia Oberhauser und der Stadträtin Eva Frohnmeyer-Carey zwei erfahrene Mandatsträgerinnen nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Aus dem Kreis derer, die die Frauenliste seit Jahren unterstützen und die sich der Frauenliste zugehörig fühlen, war, auch nach langem Ringen, keine ausreichende Zahl von Frauen bereit „in die erste Reihe“ aufzurücken und Verantwortung zu übernehmen. Dies hätte im Hinblick auf die Kommunalwahl in erster Linie bedeutet wieder eine Liste von 35 Frauen, die sich zur Wahl stellen wollen, zusammenzustellen und den Wahlkampf zu meistern.

„Sehr schade, aber es bleibt nichts anderes übrig, als das so zu akzeptieren“, so Dr. Silvia Oberhauser, die sich nach 15 Jahren intensiver Gemeinderatsarbeit, und Arbeit in verschiedenen Ausschüssen und Arbeitsgruppen, nicht mehr zur Wahl stellt. „Es war eine tolle Zeit, ich bereue nichts und der Einsatz hat sich 100% gelohnt. Es ist unglaublich, was man auf kommunalpolitischer Ebene alles bewirken kann, gerade auch in guter Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der anderen Fraktionen und Gruppierungen und mit der Verwaltung. Ich denke, es gibt einige Beschlüsse, die doch ganz deutlich die Handschrift der Frauenliste tragen. Aber es ist auch gut, wenn man weiß, wann die Zeit zum Aufhören gekommen ist – 15 Jahre sind für mich genug.“

Sie freut sich auch wieder etwas mehr Zeit für andere interessante Dinge zu haben, und fügt noch hinzu, „selbständige Tätigkeit in eigener Praxis und Gemeinderatsarbeit in Einklang zu bringen war nicht immer einfach und hat auch eine Menge Kraft gekostet“.

Stadträtin Eva- Frohmeyer Carey kommt zwar „erst“ auf 10 Jahre als Vertreterin der Frauenliste im Ratsrund, ist aber zur selben Entscheidung gekommen. Als politischer Mensch kann sie sich jedoch in Zukunft ein deutlich weniger durch Gremienarbeit geprägtes Engagement in regionalen und überregionalen Bündnissen vorstellen, auch weit über frauenpolitische Themen hinaus. „Was für eine spannende und erlebnisreiche Zeit!“, konstatiert sie, „mit Einblicken in alle Bereiche der Kommunalpolitik, städtebaulichen Wettbewerben, Veranstaltungen des Städtetages, des Landtages, des Landesfrauenrates. Besonders hat mich die Menge von ehrenamtlichem Engagement in Kultur, Politik, Naturschutz, Sport, Sozialem, Städtepartnerschaften und mehr beeindruckt. Ich habe großen Respekt für die Menschen, die da aktiv sind, entwickelt.“

Ein Stück Frauenliste kann allerdings, vorausgesetzt Wählerinnen und Wähler wollen es so, auch im neuen Gemeinderat weiterwirken. Stadträtin Sabine Lauterwasser hat sich entschlossen wieder zu kandidieren. Die vielseitig vernetzte jüngste Stadträtin der Frauenliste ist Mitglied im Technik- und Umweltausschuss. Sie hat sich in ihrer ersten Amtszeit schnell und gründlich in die verschiedensten Sachgebiete eingearbeitet und dadurch, wie auch durch ihre Haushaltsreden viel Anerkennung erworben.  „Ich bin mit den Grünen übereingekommen, auf ihrer Liste zu kandidieren. Da gab es auch in den letzten Jahren die meisten Gemeinsamkeiten und eine stets gute Zusammenarbeit. Ich bin motiviert mich weiter in der Kommunalpolitik zu engagieren!“. Und natürlich steht auch allen anderen Frauen aus dem Umfeld der Frauenliste frei auf anderen Listen zu kandidieren – frauenpolitische Kompetenz kann nirgends schaden.

Wie wird es nun aber mir der Frauenliste weitergehen? Wenn man sieht was alles in Planung ist, kann man die Frage nur mit - engagiert und aktiv – beatworten. Auch wenn sie im Gemeinderat nicht mehr vertreten ist, so wird sie ihr frauenpolitisches und gesellschaftspolitisches Engagement in der Stadt natürlich fortsetzen. Gleich im Februar beginnen die Frauenkulturtage, die die Frauenliste initiiert hat, seit 13 Jahren koordiniert und durch eigene Veranstaltungen bereichert – mit einem Programm so umfangreich und breit gefächert wie noch nie. Ehrensache in dem Jahr in dem sich das Frauenwahlrecht zum 100. Mal jährt. „One-Billion-Rising“ wird auch dieses Jahr unter Anleitung der Frauenliste am 14. Februar wieder viele begeisterte Menschen vor das Rathaus bringen um tanzend gegen Gewalt an Frauen weltweit aufzustehen.

Am 16. März wird die Frauenliste zum Equal Pay Day mit einem Stand in der Innenstadt präsent sein, um wie auch in den Vorjahren ihre Empörung über die ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen Ausdruck zu geben.

Und vielleicht wird es dann in 5 Jahren unter all diesen aktiven Frauen wieder eine Gruppe geben, die meint es sei wieder an der Zeit im Gemeinderat mitzumischen.