Stellungnahme zum Lärmaktionsplan 2

Stellungnahme der Frauenliste zum Lärmaktionsplan der Kirchheim unter Teck, beraten und abgestimmt in der Gemeinderatssitzung am 15.10.2008 

Verkehrslärm ist ein drängendes Umweltproblem, von dem weite Teile der Bevölkerung unserer Stadt betroffen sind. Wer hohen Lärmbelastungen ausgesetzt ist, hat wissenschaftlichen Studien zufolge ein erhöhtes Risiko für seine Gesundheit.  

Ziel muss es daher sein, die Bevölkerung vor Lärm zu schützen, ruhige Gebiete zu schaffen oder zu erhalten. 

Wie können wir dieses Ziel erreichen? 

Grundsätzlich muss Lärmbekämpfung an der Quelle erfolgen, also Lärm erst mal gar nicht entstehen zu lassen. Da wir uns hier "nur" mit Lärm beschäftigen, der von Kraftfahrzeugen ausgeht, liegen unsere Handlungsmaßnahmen auf der Hand. Sie heißen Verkehrsvermeidung und Geschwindigkeitsbegrenzung.  

Zur Vermeidung von Kraftfahrzeugverkehr ist die Stadtplanung in hohem Maße mit sehr anspruchsvollen Ideen und Maßnahmen gefragt. Denn dort werden die Strukturen für eine Stadt geschaffen, die in die Mitte ihres Blickfeldes diejenigen Menschen nimmt, die sich in mehrerer Hinsicht umweltfreundlich - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit ÖPNV - in der Stadt bewegen.

Zur Verkehrsvermeidung gehört auch, sich endlich von der Nord-West-Tangente zu verabschieden, die unserer Stadt nur mehr Lärm bescheren wird (immerhin sind die Planungen für die NWT auf ein Tempo von 70 km/h ausgelegt). Hier zitiere ich aus dem uns vorliegenden Lärmgutachten vom 25. September 2008, Seite 3 oben, 1. Satz: "Vor allem Abwesenheit von Lärmquellen zeichnen ruhige Gebiete aus". Wenn wir aus der Lärmaktionsplanung für die Zukunft etwas lernen wollen, müssen wir ruhige Gebiete dringend erhalten. 

Temporeduzierungen und ein Nachtfahrverbot für Lkws sind ein wirksames und kostengünstiges Mittel, schnell zu handeln und den Verkehrslärm für die arg geplagten Anwohner der Stuttgarter Straße in Ötlingen, der Ortsdurchfahrt in Jesingen und der Anwohner der Umgehungsstraße kurzfristig zu mindern. Langfristig und nachhaltig sind, vor allem in den Ortsdurchfahrten bauliche Maßnahmen zur Temporeduzierung unerlässlich, z.B. Fahrbahnverengung, Fußgängerinseln in der Mitte der Fahrbahn, begleitendes Straßengrün, und sollten in den nächsten Jahren zügig umgesetzt werden.  

Eine generelle Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Bundesautobahn wird eine deutliche Reduzierung des Lärmteppichs zur Folge haben, der sich zeitweilig sehr laut  über unsere Stadt breitet. Dies war besonders in den letzten Tagen wieder, vor allem nachts und in den frühen Morgenstunden, zu hören, sogar bei uns im Wohngebiet am Alten Friedhof. Wie viel lauter muss es dann in den nahe der Autobahn gelegenen Stadtteilen sein? 

Den Einbau von Lärmschutzfenstern zu fördern, können wir, zwar halbherzig, aber dennoch unterstützen. Lärmschutzfenster sind nur ein Krückstock im Bemühen, Anwohner und Anwohnerinnen vor allzu großer Lärmbelastung zu schützen. Denn geöffnete Fenster nachts zum Schlafen und rund um die Uhr im Sommer entfalten keinerlei Schutzwirkung vor Verkehrslärm. 

Die Frauenliste stimmt den vorgeschlagenen Lösungen

  • Temporeduzierungen in den Ortsdurchfahrten, der Umgehungsstraße und der Autobahn,
  • dem Nachtfahrverbot für Lkws
  • und einem Programm zur Förderung von Schallschutzfenstern zu.

Birgit Müller