Gebührenfreier Kindergartenbesuch

In Kirchheim unter Teck wurde erstmals zum Jahr 2011 ein gebührenfreies erstes Kindergartenjahr eingeführt. In der Dezembersitzungsrunde kam mit den Stimmen von SPD, Grüne, Frauenliste und CIK ein entsprechender Beschluss zustande. 

Neben der Verbesserung des Betreuungsschlüssels, der Reduzierung der Gruppengröße in den Kindergärten und dem weiteren Ausbau der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren  wurde nun mit der Gebührenfreiheit ein wichtiges sozial- und familienpolitisches Signal gesetzt. Kirchheim nimmt hier eine Vorreiterrolle ein, ist sie doch die erste Kommune im Regierungsbezirk Stuttgart, die diesen Weg geht. Für die Frauenliste ist dies ein erster wichtiger Schritt, Fernziel ist und bleibt allerdings, Kindertageseinrichtungen ebenso wie Schulen vollständig gebührenfrei zur Verfügung zu stellen.

Der beitragsfreie Kindergartenbesuch verbessert die Bildungschancen der Kinder und erhöht die Zahl der Kinder, die den Kindergarten besuchen. Nach wie vor ist es so, dass nicht alle Kinder von drei bis sechs Jahren in den Kindergarten gehen.

Insbesondere trifft dies auf Kinder mit Migrationshintergrund zu. Dabei zeigen alle Bildungsstudien: wer früh gefördert wird, ist besser in der Schule und vergrößert damit seine Chancen auf eine erfolgreiche Zukunft. Ganz entscheidend ist dabei der Spracherwerb. Nur wer gut Deutsch kann, wenn er in die Schule kommt, hat gleiche Startchancen. Im Kindergarten werden dafür die Grundlagen gelegt. Bildung beginnt im Kindergarten, nicht erst in der Schule. Deshalb muss der Kindergartenbesuch genauso kostenfrei sein wie der Schulbesuch. Die Abschaffung der Kindergartengebühren trägt dazu bei, dass alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft und den finanziellen Möglichkeiten ihrer Eltern den Kindergarten besuchen können.

Inzwischen liegen auch die ersten Daten vor, die zeigen, dass diese Maßnahme wirklich effektiv ist und genau die erhoffte Wirkung eingetreten ist: Die Zahl aller  Drei- bis Vierjährigen in unseren Kindergärten erhöhte sich von 49,9% auf 82,5%!! Von diesen Kindern hatten 2012 immerhin 35,6% und 2013 sogar 42% Eltern mit Migrationshintergrund. 

Natürlich kostet Kinderbetreuung, insbesondere der unter Dreijährigen, Kommunen eine Menge Geld, aber diese Ausgaben müssen in einem größeren volkswirtschaftlichen Zusammenhang gesehen werden:

  1. Eine Frau, die in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis eintreten kann, weil sie ihr Kind sicher betreut weiß, finanziert über die Steuern, die sie nun bezahlt, diesen Betreuungsplatz nahezu selbst
  2. Länder mit einer hohen Frauenbeschäftigungsquote zeichnen sich aus durch niedrige Arbeitslosigkeit und überdurchschnittliche Steuereinnahmen.
  3. Während das Haupteinkommen der Familie, das meist noch immer vom Familienvater erwirtschaftet wird, die laufenden Kosten des Lebensunterhaltes deckt, wird das „Fraueneinkommen“ zu einem großen Teil für Konsumgüter ausgegeben, und stärkt damit die Binnennachfrage.
  4. Die junge Frauengeneration heute hat einen Ausbildungs- und Qualifikationsgrad, wie noch keine Generation vor ihr. Es wäre volkswirtschaftlicher Nonsens sie nicht frühzeitig an ihre Arbeitsplätze zurückzuholen – sie sind die vielbeschworenen Fachkräfte, die die Wirtschaft so dringend braucht.

Zusammengefasst heißt das: die überdurchschnittlichen Steuereinnahmen, von denen auch die Stadt Kirchheim in diesem Jahr erheblich profitiert, sind nicht zuletzt gerade auch den Frauen zu verdanken, die dank eines Betreuungsplatzes für ihr Kind ihre berufliche Laufbahn wieder aufnehmen konnten.

 

Dr. Silvia Oberhauser, 22.3.2014