Frauenliste – warum ?

 

Zunächst stellt sich natürlich die Frage, ob man diese Frage überhaupt beantworten muss. Demokratie lebt von der Vielfalt ihrer Parteien und Wählervereinigungen, und keine muss sich letztlich für ihre Existenz rechtfertigen.

 Vor allem aber: „Demokratie lebt von der aktiven und ausgewogenen Mitwirkung von Frauen und Männern an politischen Entscheidungsprozessen“ (ehem. Sozialministerin Dr. Monika Stolz).

Am besten hat dies  EU-Kommissar Spidla auf den Punkt gebracht:

 „Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Entscheidungspositionen steht für die politische Reife einer Gesellschaft“.

Und gerade deshalb gibt es gute Gründe für Frauenlisten:

Eines der zentralen Ziele von Frauenlisten ist, die Anzahl von Frauen in politischen Entscheidungsgremien zu erhöhen. Dass dies gelingt, beschreibt Prof. Birgit Meyer, Politikwissenschaftlerin an der FH Esslingen: „Die Existenz von Frauenlisten fördert nachweislich den Frauenanteil an den Gemeinderatsmandaten. 1994 kam man zu dem Ergebnis: Der Anstieg in Gemeinden mit Frauenlisten war doppelt so hoch wie anderswo, d.h. 9 Prozent.

Dass wir auch nach diesem Anstieg noch weit von dem Ziel entfernt sind, dass Politik von Männern und Frauen zu gleichen Teilen gemacht wird, zeigen die Zahlen aus den baden-württembergischen Kommunalparlamenten:

22% der Mandatsträger sind weiblich - in Kirchheim gar nur 19,9%. Im Esslinger Kreistag beträgt der Frauenanteil 16% im Baden-Württembergischen Landtag 18,1%.

Dies bedarf keines Kommentars!!

Dabei besteht Einigkeit darüber, dass Frauen und Männer verschiedene Lebenserfahrungen und Lebenswahrnehmungen mitbringen, die gleichermaßen wertvoll sind, und in alle politischen Entscheidungsprozesse einfließen müssen. „Geschlechtersensible Folgeabschätzung“ heißt das Schlagwort dazu, was nichts anderes bedeutet, als dass bei jeder politischen Entscheidung bedacht werden sollte, wie weit Frauen und Männer zu gleichen Teilen davon betroffen sind, oder davon profitieren.

Um es konkret zu machen – beim Bau eines neuen Sportgeländes gälte es zu überlegen, wie beide Geschlechter  von der Investition profitieren können, also vielleicht nicht nur Fußballplätze, sondern auch eine Finnenbahn zum Joggen und Walken, einen Gymnastikraum für Pilates usw.

 Nun aber Konkretes zu Kirchheim:

  1. Im Gemeinderat sitzen derzeit 29  Männer und 7 Frauen:
    CDU 8 Sitze, davon1 Frau; SPD 7 Sitze, davon 1 Frau; Grüne 5 Sitze, davon 1 Frau; FWV 7 Sitze, keine Frau;  FDP-KiBü 4 Sitze, keine Frau;  CIK 2 Sitze, davon 1 Frau; 
                                          Frauenliste 3 Frauen
    d.h. keine Fraktion, auch nicht die „Großen“, haben mehr Frauen im Gemeinderat als die Frauenliste!!! 
  2. Bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 stellten sich insgesamt 231 Männer und 90 Frauen zu Wahl. Ohne die Frauenliste, die alleine 34 Kandidatinnen auf ihrer Liste hatte, wären es lediglich 56 Frauen, also gerade einmal 24,2% aller Kandidaten. Und das, obwohl  52% der Bürger Kirchheims weiblich sind. Die Zahlen für 2014 folgen in Kürze, sobald alle Parteien und Wählervereinigungen ihre Listen veröffentlicht haben.                                                                      
  3. Immer wieder hört man: „ich habe schon immer verstärkt Frauen auf allen Listen gewählt“ – das ist natürlich gut so und weiter so! - nur ist die Wirkung oft nicht die erwartete.

Am besten ist dies mit Zahlen zu verdeutlichen: 

Einfaches Rechenbeispiel aus der Kommunalwahl 2004:

  • Wären die 17 670  „Frauenstimmen“ der FWV beispielsweise zu den 26 329 „Frauenstimmen“ der Frauenliste dazu gekommen, dann wären 2 Frauen mehr im Gemeinderat!
  • Und wären gar alle 123 685 „Frauenstimmen“ auf einer Liste gelandet, so wären in den Kirchheimer Gemeinderat nicht nur 6 Frauen sondern sage und schreibe 12 eingezogen!!
  • Und 30 000 „Frauenstimmen“ sind auf Listen gelandet, die leider keine einzige Frau im Ratsrund sitzen haben.

Zum Abschluss nochmals Prof. Birgit Meyer:

„Frauen sind nicht nur mehr als die Hälfte dieser Zivilgesellschaft, sondern besonders aktiv in ihr, besonders sensibel für die Nöte und Anforderungen der Zukunft“

 

Dr. Silvia Oberhauser, 22.3.2014