Bruckmühle

Über das Skelett der Bruckmühle, Gerberstrasse 2 und 4 wird seit Monaten gerätselt und diskutiert.

Die Geschichte beginnt bereits in den frühen 90er Jahren. Der Bebauungsplan Gerberviertel beinhaltete den „großflächigen gewässerökologischen Ausbau der Lauter unter Wegfall der Bruckmühle“ und wurde 1993 beschlossen. So erwarb die Stadt Kirchheim 1999 die Gebäude, um sie später abzubrechen. Wir von der Frauenliste fanden diese Planung gut, zumal sie als sinnvolle ökologische Ausgleichsmaßnahme für die Bebauung der Ötlinger Halde „in Rechnung gestellt“ werden sollte. Wir sind übrigens immer noch der Überzeugung, dass eine „Oase“ und ein Zugang zum Wasser an dieser Stelle die Innenstadt schöner machen und aufwerten würde.

Aber die Entwicklung lief anders: Im Frühjahr 2009 begann eine Gruppe von Bürgern und Bürgerinnen aktiv zu werden, um den Abriss der Gebäude in der Gerberstraße zu verhindern. Die Bruckmühle sollte nach ihrer Meinung als Denkmal der Kirchheimer Mühlengeschichte erhalten bleiben, saniert werden und an die Bedeutung der Wasserkraft für die Industrialisierung erinnern.

CDU- und SPD-Fraktion ließen sich hiervon überzeugen und beantragten, die Verwaltung möge Alternativen zum Abbruch untersuchen. Im September 2009 beschloss der Kirchheimer Gemeinderat dann mehrheitlich, dass innerhalb einer festgesetzten Frist Alternativen zum Abbruch entwickelt werden sollen und dass ein Investor für die Bruckmühle gesucht wird. Wir von der Frauenliste argumentierten für die grüne Gestaltung des Lauterufers anstelle der alten Gebäude, weil wir das städtebauliche Konzept des „blaugrünen Y in Kirchheim“ (= zugängliche Grünflächen entlang den Flussläufen) für richtig halten. Wir stellten auch die Frage, ob ein Investor die hohen Kosten für den zwingend auferlegten Hochwasserschutz auf sich nehmen und gleichzeitig im Sinne der Denkmalerhaltung bauen würde. Aus Respekt vor dem Wunsch der Bürgerschaft, die damals für den Erhalt plädierte, stimmten wir Frauen mit „Enthaltung“(was wir äußerst selten tun).

2012 war nach Fristverlängerungen, mühsamer Suche und mehreren „Flops“ ein Investor gefunden. Die Firme Hauser Design präsentierte in der Dezembersitzung 2012 ihre Vorplanung für die Bruckmühle. Diese Vorplanung ließ aus unserer Sicht nicht klar erkennen, dass das zukünftige Gebäude wie von den Befürwortern erhofft, als „Schmuckstück“ den Mühlencharakter für die Öffentlichkeit erlebbar machen wird. Wir befürchten vielmehr, dass hier, gefördert mit Sanierungsgeldern, ein Gebäude mit teuren Wohnungen entsteht, das ebenso gut an jeder anderen Stelle der Stadt stehen könnte. Deshalb haben wir 2012 gegen den Verkauf an diesen Investor gestimmt.

Der aktuelle Zustand der Bruckmühle überrascht uns nicht. Trotzdem hoffen wir natürlich, dass diese Wunde im Stadtbild bald geschlossen wird - und dass das Endergebnis, wenn schon nicht grün und einladend für alle, zumindest optisch akzeptabel sein wird.

 

Eva Frohnmeyer-Carey, März 2014