Bebauungspläne

oder: Kirchheim klotzt - wir wollen's anders!

 

Klötze, die in ihren Dimensionen und in ihrer Architektur keinen Bezug zu ihrer Umgebung haben und oft den Charakter und die Schönheit eines Gebietes zerstören, prägen zunehmend das Bild Kirchheims.

Trotz reger öffentlicher Diskussion, trotz zahlreicher Proteste und Einwendungen von Bürgerschaft und betroffenen Anwohnern, scheint dagegen bisher kein Kraut gewachsen.

Die Rätinnen der Frauenliste haben im Gemeinderat immer wieder gegen solche

Bebauungen gestimmt, gehörten damit jedoch zu einer kleinen Minderheit.

 

Die Bebauungspläne, zu unterschiedlichen Zeiten für kleine und größere Teilbereiche Kirchheims erstellt und in Teilen immer wieder überarbeitet, legen Obergrenzen für die überbaubare Fläche eines Grundstücks, Gebäudehöhen, Dachformen, usw. fest. Sie sind das wichtigste Instrument zur Gestaltung des Stadtbildes.

 

Zunehmendes ökologisches Bewusstsein und die beginnende Kritik am Flächenverbrauch führten in den 1980er Jahren zur Idee der so genannten "Nachverdichtung": Um weiteren Flächenfraß und die Zersiedelung der Ortsränder einzuschränken, sollten innerörtliche Brach- oder Freiflächen, auch große Gärten als "Baulücken" betrachtet und für Neubebauung genutzt werden. Die Bebauungspläne aus den 1990er Jahren folgen diesem Konzept.

So wie sie bisher ausgelegt wurden, führen sie aber oft zu unverhältnismäßig hohen, großen Gebäuden (z. B. kann ein 6-Familienhaus mit 13,5 Metern Firsthöhe zwischen kleine Einfamilienhäuser mit durchschnittlich 8 Meter hohem First gesetzt werden) und sie bringen Verschattung, Verkehrszunahme, Zerstörung der Grünräume, die für Frischluft, Tier- und Pflanzenvielfalt gerade in der Stadt notwendig sind  - Ein Dilemma!

 

Unter dem Motto optimale statt maximaler Nachverdichtung werden wir uns daher für sinnvolle Kompromisslösungen einsetzen.

 

Aber längst nicht alle "Bausünden" gehen auf das Konto der Nachverdichtung.

Auf Wunsch von Bauträgern / Bauherren, wurden sie nicht selten durch eine "vorhabenbezogene Bebauungsplanänderung" ermöglicht. So z. B. beim  "Weisepark":

Hier plante der Bauträger Kreisbaugenossenschaft von vornherein höhere Gebäude als im Bebauungsplan vorgesehen. Mit dem Argument der Vermarktbarkeit, erreichte er dann die Zustimmung der Gemeinderatsmehrheit. Heute, 1 ½  Jahre nach der Fertigstellung stehen mehr als die Hälfte der Wohnungen übrigens leer!

Auch im Paradiesle/Ochs-Gelände hatte der Bauträger, diesmal Wohnbau Birkenmaier, zuerst eine Planung vorgelegt, die höher als die laut Bebauungsplan erlaubten, sowieso schon alles überragenden 13,5 Meter war. Erst aufgrund von Widersprüchen der Anwohner wurde verhandelt – mit dem Ergebnis, dass die letztlich beschlossene Höhe von 13,5 Meter zu Unrecht als Kompromiss erscheint.

 

Ein Hoffnungsschimmer, leider etwas spät:

Für das Klosterviertel soll nun gemeinsam mit Bürgergruppen ein Bebauungsplan entwickelt werden, der für die Zukunft Gebietsverträglichkeit von Neubauten und ausreichendes Grün im Quartier sicherstellt.

 

Wir fordern:

1.Die Überarbeitung der aktuell gültigen Bebauungspläne unter den Gesichtspunkten

  • Gebietsverträglichkeit von Baukörpern und Architektur
  • Qualifizierte Grünräume innerhalb bebauter Gebiete
  • Kleinteiligkeit als zentraler Bestandteil einer "vitalen Stadt", in der Begegnung, Bewegung und Vielfalt das Leben prägen

 

2. Bei Bauvorhaben die Erstellung von Lattengerüsten, damit die Ausmaße in ihrem Verhältnis zur Umgebung wahrgenommen werden können (Dies ist seit Jahren eine Vorschrift im Schweizer Baurecht und gängige Praxis in unserem Nachbarland).

 

3. Eine Bedarfsanalyse für Wohnraum in Kirchheim  mit der Fragestellung

  •  Braucht Kirchheim überhaupt weitere Wohnbebauung? Wenn ja für welche Zielgruppen?   

 

19.04.2009 Eva Frohnmeyer-Carey